Ein Luftreiniger sollte nicht nach einer werblichen Quadratmeterzahl ausgewählt werden, sondern nach seiner Clean Air Delivery Rate (CADR), dem tatsächlichen Raumvolumen und der Lautstärke auf der später genutzten Stufe. Die vier Geräte unterscheiden sich vor allem bei Luftdurchsatz, Sensorik, Filterkonzept und Zusatzfunktionen.
Vier Luftreiniger im direkten Vergleich
Die Einordnung beruht auf aktuellen Herstellerdaten und öffentlich zugänglichen Fachinformationen. Es handelt sich nicht um einen eigenen Praxis- oder Labortest.
- Philips PureProtect 3200 Series AC3220/10: Partikel-CADR 520 m³/h, Vorfilter, HEPA NanoProtect und Aktivkohle; die stärkste veröffentlichte CADR in dieser Auswahl.
- Xiaomi Smart Air Purifier 4 Pro: Partikel-CADR 500 m³/h, PM2,5-/PM10-Sensor, App und dreistufiges Filtersystem; viel Luftleistung mit umfangreicher Smart-Home-Steuerung.
- Levoit Core 400S: CADR 400 m³/h, 24 bis 48 dB laut Hersteller und 100 m³/h im Schlafmodus; gut, wenn die Leistung bei niedriger Lautstärke transparent angegeben sein soll.
- Dyson Purifier Cool PC2 De-NOx TP12: Luftreiniger und Ventilator mit HEPA-/Kaliumcarbonatfilter, 350°-Drehung und 81 m³ angegebener Raumabdeckung; Dyson veröffentlicht auf der deutschen Produktseite keine direkt vergleichbare CADR.
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Philips PureProtect 3200 AC3220/10: höchste veröffentlichte CADR
Philips nennt eine CADR von 520 m³/h. Der dreistufige Aufbau besteht aus Vorfilter, HEPA NanoProtect und Aktivkohle. Damit ist das Gerät vor allem für größere Wohnbereiche oder für Nutzer interessant, die Leistungsreserve möchten und den Reiniger nicht ständig auf der höchsten Stufe betreiben wollen. Die Herstellerangabe „bis 135 m²“ sollte nicht isoliert betrachtet werden: Bei hohen Decken, offenen Grundrissen oder einer gewünschten höheren Luftwechselrate fällt die praktisch sinnvoll versorgte Fläche kleiner aus.
Das Gerät ist die klare Leistungswahl in diesem Vergleich. Vor dem Kauf gehören aber auch Stellfläche, Geräusch auf der tatsächlich genutzten Stufe und die Verfügbarkeit des Filters FY3200/30 auf die Checkliste.
Herstellerdaten zum Philips AC3220/10
Xiaomi Smart Air Purifier 4 Pro: hoher Luftdurchsatz und Smart Home
Xiaomi weist eine Partikel-CADR von 500 m³/h und eine effektive Fläche von 35 bis 60 m² aus. Der kombinierte Filter umfasst Vorfilter, einen hocheffizienten Partikelfilter und Aktivkohle. Ein Lasersensor erfasst PM2,5 und PM10; Automatik, Zeitpläne und Fernsteuerung laufen über die Xiaomi-Home-App. Der Nachtmodus wird mit 33,7 dB(A) angegeben.
Das Modell passt zu größeren Räumen und Nutzern, die Messwerte und Steuerung in der App wünschen. Xiaomi nennt außerdem eine negative Ionisationsfunktion. Wer solche Zusatztechnik vermeiden möchte, sollte prüfen, ob sie in der angebotenen EU-Ausführung abschaltbar ist. Ebenso wichtig: Vor dem Gerätekauf den passenden Ersatzfilter und dessen Lieferbarkeit kontrollieren.
Herstellerdaten zum Xiaomi Smart Air Purifier 4 Pro
Levoit Core 400S: nachvollziehbare Leistung im Schlafmodus
Levoit nennt 400 m³/h CADR auf der höchsten Stufe und 100 m³/h im 24-dB-Schlafmodus. Gerade diese zweite Angabe ist nützlich: Ein Schlafzimmergerät muss nachts nicht nur leise, sondern auf der leisen Stufe noch wirksam sein. Der Core 400S kombiniert Vorfilter, HEPA- und Aktivkohlefilter, zeigt PM2,5 an und lässt sich per VeSync-App steuern. Die maximale Leistungsaufnahme beträgt laut Hersteller 24 Watt.
Für ein Schlafzimmer mit 20 m² Fläche und 2,5 m Höhe ergeben 100 m³/h rechnerisch zwei Luftwechsel pro Stunde. Auf voller Stufe wären es theoretisch acht. Das Beispiel zeigt, warum eine Maximal-CADR allein wenig über den Nachtbetrieb aussagt.
Herstellerdaten zum Levoit Core 400S
Dyson Purifier Cool PC2 De-NOx: Ventilator und Gasfilter im Premiumsegment
Der Dyson kombiniert Luftreinigung mit einer Ventilatorfunktion und verteilt die Luft mit bis zu 350° Drehbewegung. Die deutsche Produktseite nennt einen vollständig versiegelten Kombi-HEPA-/Kaliumcarbonatfilter, 81 m³ Raumabdeckung, 4,91 kg Gewicht und 50 bis 61,4 dB(A). Der Filter ist laut Dyson bei der zugrunde gelegten Nutzung für etwa ein Jahr ausgelegt.
Die Besonderheit ist die Kombination aus Ventilator, Sensorik und Gasfilterung. Für einen reinen Leistungs-/Preisvergleich bleibt jedoch ein Nachteil: Auf der deutschen Produktseite steht keine CADR, die sich unmittelbar mit Philips, Xiaomi und Levoit vergleichen lässt. Wer hauptsächlich möglichst viel Partikelfilterleistung pro Euro sucht, kann die drei Geräte mit veröffentlichter CADR leichter dimensionieren.
Herstellerdaten zum Dyson PC2 De-NOx
CADR für den eigenen Raum berechnen
Die einfache Rechnung lautet:
CADR ÷ Raumvolumen = rechnerische Luftwechsel pro Stunde
Das Raumvolumen ist Länge × Breite × Höhe. Ein 20-m²-Zimmer mit 2,5 m Deckenhöhe enthält 50 m³ Luft. Ein Gerät mit 400 m³/h erreicht dort rechnerisch acht Luftwechsel pro Stunde – allerdings nur auf der Stufe, für die die 400 m³/h gelten. Möbel, ungünstige Aufstellung, offene Türen und der Betrieb auf einer leiseren Stufe verändern die praktische Wirkung.
Die US-Umweltbehörde EPA empfiehlt, für Partikel ein Gerät mit einer zur Raumgröße passenden CADR zu wählen. Eine hohe Lüfterstufe und längere Laufzeit filtern mehr Luft; auf niedriger Stufe sinkt die Reinigungsleistung. Genau deshalb ist etwas Leistungsreserve sinnvoll.
Partikelfilter und Aktivkohle lösen verschiedene Aufgaben
- Partikelfilter: für Pollen, Feinstaub, Tierallergene und andere Schwebstoffe. Eine hohe Partikel-CADR macht Geräte für diesen Zweck vergleichbarer.
- Aktivkohle: kann Gerüche und bestimmte gasförmige Stoffe binden. Die Wirkung hängt stark von Art und Menge des Materials ab; eine Partikel-CADR bewertet diese Gasfilterung nicht.
- Sensoren: reagieren nur auf die Stoffe, die sie messen. Ein PM2,5-Sensor erkennt nicht automatisch Kohlendioxid, Luftfeuchtigkeit oder sämtliche flüchtigen organischen Verbindungen.
Die EPA weist darauf hin, dass es für die Gasfilterung keine ähnlich verbreitete Leistungskennzahl wie die CADR für Partikel gibt. Eine bloße Aufschrift „Aktivkohle“ sagt deshalb wenig über die tatsächliche Kapazität aus.
Luftreiniger ersetzen weder Lüften noch Feuchteregelung
Filtergeräte reduzieren Partikel, entfernen aber kein ausgeatmetes Kohlendioxid und keinen Wasserdampf. Das Umweltbundesamt bewertet mobile Luftreiniger deshalb als Ergänzung, nicht als Ersatz für Lüftung. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit oder Schimmelursachen hilft ein Luftreiniger nicht: Dann müssen Feuchtequelle, Lüftung und gegebenenfalls ein passend dimensionierter Luftentfeuchter betrachtet werden. Bei zu trockener Heizungsluft gelten wiederum andere Kriterien; dazu führt der Ratgeber zur Luftbefeuchtung.
Von Geräten, die gezielt Ozon erzeugen, rät das Umweltbundesamt in belegten Räumen grundsätzlich ab. Bei Ionisations- oder Plasmatechnik sollte geprüft werden, ob Ozon als Nebenprodukt entstehen kann und ob die Funktion abschaltbar ist.
Hinweise des Umweltbundesamts zu mobilen Luftreinigern · EPA-Leitfaden zu Luftreinigern
Kaufcheck in sechs Punkten
- Raumvolumen statt nur Quadratmeter bestimmen.
- Partikel-CADR und möglichst die Leistung auf einer leisen Stufe vergleichen.
- Geräuschwerte nicht nur im Nachtmodus, sondern auch bei wirksamer Luftmenge prüfen.
- Preis, Modellnummer und Lieferbarkeit des Ersatzfilters vor dem Kauf kontrollieren.
- Für Gerüche auf einen substantiellen Aktivkohlefilter achten; Partikel-CADR sagt darüber nichts aus.
- Ansaugung und Auslass frei halten, Türen zum Zielraum möglichst geschlossen lassen und weiterhin lüften.
Welches Modell passt zu wem?
- Maximale veröffentlichte Luftleistung: Philips AC3220/10.
- Hohe CADR plus Smart-Home-Funktionen: Xiaomi Air Purifier 4 Pro.
- Schlafzimmer mit transparenter Nachtleistung: Levoit Core 400S.
- Luftreiniger und Ventilator in einem Gerät: Dyson PC2 De-NOx – allerdings ohne direkt vergleichbare CADR-Angabe auf der deutschen Produktseite.
Häufige Fragen
Hilft ein Luftreiniger bei Pollen?
Ein ausreichend dimensionierter Partikelfilter kann Pollen und kleinere Partikel in der Raumluft reduzieren. Türen und Fenster, Aufstellung, Laufzeit und Filterzustand beeinflussen die Wirkung.
Hilft ein Luftreiniger gegen Schimmel?
Er kann Sporen aus der Luft filtern, beseitigt aber weder die Feuchte noch die Ursache des Befalls. Schimmelursachen müssen unabhängig davon behoben werden.
Ist eine App nötig?
Nein. CADR, Geräusch auf der verwendeten Stufe, Filterkosten und Aufstellung sind wichtiger. Eine App erleichtert Zeitpläne und Fernsteuerung, verbessert aber nicht automatisch die Filterleistung.
So entstand dieser Ratgeber: Herstellerdaten und behördliche Hinweise wurden redaktionell verglichen. Es handelt sich nicht um einen eigenen Praxistest. Produktdaten geprüft am 03.10.2026.